“X-MAL ANDERS Ullrich-Turner-Syndrom! Ja, und?!” herausgegeben von Anne-Christin Ermisch

Ich lese zwischendurch sehr gerne Lebensberichte (zuletzt die Autobiographie von Felicia Day, wer die Review lesen will, klickt bitte hier). Zu sehen, womit Menschen fertig werden können, ist beeindruckend. So auch in diesem Fall.

Ullrich-Turner-Syndrom. Was ist das? Werden sich die meisten denken. Mir war es bekannt aus dem Biologieunterricht, aber anscheinend sind da die Informationen nicht immer auf dem neuesten Stand. Soll heißen: Auf dem Stand von vor über 20 Jahren. Grob gesagt: Die menschlichen Zellen bestehen aus Chromosomenpaaren und eins dieser Paare besteht bei der Frau aus XX, beim Mann aus XY. Bei einer Frau mit Turner-Syndrom (UTS), fehlt das zweite X. Diese Frauen sind kleiner und können keine Kinder bekommen, da sie meist ohne Hormonzugabe nicht in die Pubertät kommen. Geistig sind diese Frauen entwickelt wie jede andere auch.

Für dieses Buch wurden die Erfahrungen mit diesem Syndrom von meherern Frauen unterschiedlicher Altergruppen gesammelt. Da die Texte von mehreren sehr unterschiedlichen Autorinnen verfasst wurden, ist das Leseerlebnis auch sehr unterschiedlich. Einige Geschichten lesen sich eher weniger gut, andere sind super geschrieben und reißen einen mit. In dem ein oder anderen Falle hatte ich ein Taschentuch in der Hand, um die Tränchen wegzuwischen. Abgerundet wird das Ganze durch Fotos der Betroffenen. Insgesamt ist das Buch sehr bunt, was nicht nur den Farbbildern im Inneren geschuldet ist. Aus diesen Geschichten lese ich heraus: UTS ist Teil unseres Lebens und ohne wären wir einfach nicht wir.

Mein Fazit zu diesem Buch: Es macht Mut. Was auch immer das Leben dir in den Weg stellt, du kannst damit fertig werden. Ich vergebe vier von fünf möglichen Sternchen.

PS: Es läuft bis Oktober 2015 eine Wahl für den The Beauty and the Book Award und dieses nette Büchlein ist nominiert. Meine Stimme hat es. Wer sonst noch anstimmen möchte, kann das an dieser Stelle tun. Einfach den Schmetterling anklicken. 🙂

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“You’re never weird on the internet (almost)” by Felicia Day

I first came across Felicia while watching Supernatural. Needless to say that Charlie is one of my favorite characters. When I heared she wrote a book I was like: Oh, yeah I should definetly read that. What I have seen of Felicia so far, on Supernatural and panel videos from Conventions, made her seem so likable. And when I spotted her on Buffy, I liked the show even more.  Opening her book, that impression only grew. I could relate on quite a number of things right from the start. I am totally not into video games and that stuff but still… Meeting her one day is definetly on my bucket list.

But about this book. Felicia describes being “raised weird”, being homeschooled and getting a 4.0 at college, her struggle of getting acting jobs, building up her own web- show The Guild from scratch, founding Geek and Sundry and of course gaming and what all that meant (and still means) for her life. She does so with a lot of humor. Of course there were parts of the story you just couldn’t laugh at. Someone thinking about suicide is not funny. Like ever. Someone with depression isn’t funny. (It’s a sickness, people. You can’t just snap out of it. It needs medication or therapy or both. When I hear people say things like: “I’m waiting on the new Cody McFaden but he got depression. He should just get over it already and write his next book.” or “She called in sick, will be out for at least two weeks- depression. I want that, too.” I wanna punch someone. Comments like that will stop the people who actually have it from getting help. They’re ashamed and when they think people won’t take it seriously, the odds of them talking to a doctor won’t be better. I don’t suffer from depression but I know it’s terrible to live through. I don’t wish that on anyone.) There were times I wanted to climb into that book and give Felicia a hug. And there were times I had to put the book down laughing. Felicia keeps a nice balance and has a charming way of looking back on her life. That put together with a great writing style (you can practically hear her voice telling you the story while you read it) makes this book a great read.

Personally, I could relate to parts of what was going on with Felicia. I wasn’t homeschooled but, though I was kinda popular in elemantary school, still one of the weird kids no one wanted to talk to in highschool. Always picked last in P.E., only other weird ones to hang out with in the schoolyard… you name it. I went my own way about it and today, I am in a place where I’m happy. Of course, there are some things about my life I’d love to change but can’t. But I have been incredibly lucky. Also, I had to discover that this “being weird” thing isn’t always you. There are people out there just like you. Today, I still sometimes think that the girls I met at college don’t hang with me for who I am but for some other strange reason.

Where Felicia dug herself into video games, I buried myself in books and other stuff. Every free minute I’d spend reading what I had brought home from the library (and every week I carried home bagloads of books).  Later, I started writing stories of my own and fled into those stories when times got rough.

One story in the book made me smile because it was so familiar. It’s where she goes out to meet the guys she has been gaming with online. Who hasn’t had this akward moment when meeting online friends and you don’t even know what to say to each other. The people I’ve met so far were all great but sometimes you don’t really know how to get a conversation going. And sometimes it just all flows and you can’t stop chatting.

There’s a lesson in there. Probably more than one. For me it was: If there is something, you really wanna do, fight for it. If you’re down, you can get back up again. And if you have to build it all from scratch and lose it all along way. You can do it.

“You’re never weird on the internet (almost)” is very well written, inspirational, funny, sad… It has it all. (Felicia, if you, by some miracle ever read this: just take the compliment!) I give this memoir five of five possible stars. Loved it!

“Die Pflicht zu schweigen” von Sidney Sheldon

Sidney Sheldon. Alleine der Name auf dem Umschlag ist eine hohe Bewertung wert. Ich habe noch kein Buch von diesem Mann gelesen, das mir nicht gefallen hätte. Eines vielleicht mehr als andere, aber gut sind sie alle. “Die Pflicht zu schweigen” bildet da keine Ausnahme.

Es geht um eine junge Ärztin, die beschuldigt wird, einen Patienten umgebracht zu haben. Das Buch beginnt mit dem Prozess gegen sie und auf den ersten Seiten wird dem Leser ein deutliches Bild einer gefühlskalten Frau gezeichnet, die zum Ende des Kapitels auch noch denkt “Und ich habe sie umgebracht.”. So geht man als Leser in das zweite Kapitel des Buches und hat der jungen Frau einen “Schuldig”-Stempel aufgedrückt. Sobald dieses Bild steht, wird es aber auch schon erschüttert. Nach und nach. Denn man erfährt so viel mehr über die Umstände und die Persönlichkeiten der jungen Paige und ihrer beiden Mitbewohnerinnnen. An dieser Stelle muss ich vorgreifen und verraten, dass man am Ende sehr wohl auf der Seite der Angeklagten steht.

Dieses Buch, gleichwohl es schon seit knapp zwei Jahrzehnten auf dem Markt, behandelt ein sehr aktuelles Thema. Es geht um Ärtze, die in einem Krankenhaus arbeiten und zwar in 24- Stunden- Schichten oder länger. Es beschreibt, wie belastend diese langen Schichten sind. Aktuell nehmen aufgrund ebensolcher Arbeitsbelastungen Behandlungsfehler rapide zu und dem Arzt kann man im Grunde die Schuld nicht geben, denn nach einer gewissen Zeit leiden Aufmerksamkeit und Konzentration, von Koordinationsfähigkeiten eines Chirurgen rede ich hier noch gar nicht. Schuld ist in diesem Falle das System. Zu wenig Personal, zu viel Arbeit. Ein weiterer Punkt: Sterbehilfe. Patienten, die starke Schmerzen leiden und defintiv nur noch warten bis der Tod sie endlich erlöst. Jedes Tier würde man einschläfern, der Mensch muss bis zur letzten Minute und am besten noch darüber hinaus am Leben erhalten werden. Es geht um einen würdigen Tod. Ich will hier keine Debatte vom Zaun brechen, ich weiß, dass es schwer würde, das zu kontrollieren und so weiter, aber gesagt werden muss es einmal und ich finde, ein Mensch sollte in so einem Fall nicht länger am Leben erhalten werden, als er es denn möchte. Aber das ist ein anderes Thema. Hier geht es um dieses Buch.

Vom Schreibstil her ist Sidney Sheldon ein Genie, von dem ich immer nochmal einen Text lesen muss, der nicht übersetzt wurde. Sobald man “Die Pflicht zu schweigen” aufgeschlagen hat, legt man das Buch eigentlich nur ungern beiseite und man ist fast schon traurig, wenn es vorbei ist. Ein einfach nur tolles Leseerlebnis, das Lust auf den Rest der Bücher macht, die Sidney Sheldon geschrieben hat. Im Regal stehen sie schon alle, nur lesen muss ich sie noch.

Dafür vergebe ich 5 von 5 Sternchen.

“Die rote Königin” von Victoria Aveyard

Es heißt immer “Don’t judge a book by its cover” und ich habe schon einige Male am eigenen Leibe erfahren müssen, dass das Buch nicht hielt, was das Cover versprach. Aber zugeben müssen wir es alle: was uns als allererstes auffällt, ist das Cover. Spricht es uns an, nehmen wir das Buch in die Hand. Ist das Cover nicht ansprechend, ist die Wahrscheinlichkeit dafür viel geringer. Was mich zu diesem Buch brachte, war eben das Cover. Ich wurde neugierig, die silbern und rote gehaltene Farbwahl sprach mich an, also las ich mir durch, worum es ging.

Es geht um ein Mädchen, das als Rote geboren wird, aber magische Kräfte besitzt, die eigentlich den Silbernen vorbehalten sind. Sie wird versteckt, ausgegeben als Findelkind. Angeblich Tochter zweier verstorbener Silberner und als Findelkind unerkannt bei Roten aufgewachsen, jetzt verlobt mit dem Bruder des Kronprinzen. Die junge Frau muss sich am Hof einleben, ständig in der Furcht, entdeckt zu werden.

Zuerst war ich skeptisch, habe mich aber dann doch für dieses Buch entschieden. Die Figuren erinnerten mich persönlich zu Beginn sehr an diejenigen aus “The Selection” von Kiera Cass. Allerdings ist hier der Fantasyanteil um einiges höher und gegen Ende weicht es doch recht stark von Cass’ Charakteren ab. Zudem sind die Charaktere für mich nicht sehr eingängig und ich kann mich an keinen Namen mehr so wirklich erinnern.

Im Grunde besteht eine zweigeteilte Gesellschaft: Die Roten. Menschen wie du und ich, durch deren Adern rotes Blut fließt und die, so sie keine andere Arbeit finden, eingezogen werden und an der Front eines mittlerweile seit 100 Jahren andauernden Krieges kämpfen müssen. Die Silbernen. Die oberen Schichten der Gesellschaft, durch deren Adern silbernes Blut fließt und die magische Fähigkeiten haben, je nach Familie, entweder sehr stark sind, sehr schnell, Wasser oder Feuer kontrollieren können, Gedanken lesen, etc. Die Roten sind alle unzufrieden, den Silbernen ist es egal und natürlich formt sich unter den Roten eine Widerstandsbewegung. Soweit, so gut. Unsere weibliche Hauptfigur ist eine Rote, eine Taschendiebin, die sonst keine Arbeit erhält und somit fürchten muss, eingezogen zu werden. Ein schicksalhaftes Zusammentreffen verschafft ihr eine Anstellung im Palast, wo sie bei dem Wettbewerb, bei dem die Braut des Kronprinzen gekürt wird, plötzlich magische Fähigkeiten zeigt. Jetzt geht alles sehr schnell, sie wird als verschollene Tochter eines hochrangigen Silbernen ausgegeben, mit dem Bruder des Kronprinzen verlobt und muss von nun an im Palast leben. Die kleine Blitzwerferin, wie sie von vielen genannt wird, schließt sich der Revolution an, ihr Verlobter an ihrer Seite.

Das Ende des Buches hat mich überrascht, denn es lässt einiges offen. Im Nachhinein gar kein schlechtes Ende, da so der Leser nicht wirklich Abschied nehmen muss. Ich habe mich, zugegeben, noch nicht erkundigt, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass darauf ein zweiter Teil aufgebaut werden wird. Aber auch als einzelnes Buch kann es gut funktionieren. Vom Schreibstil her gefiel mir das Buch nicht ganz so gut. Wenn ein Buch gut geschrieben ist, entwickelt sich beim Lesen eine Art Sog, die den Blick auf den Seiten hält, einen die Zeit vergessen und den Leser vollständig in die Geschehnisse eintauchen lässt. Das war bei diesem Buch nur bedingt der Fall. Wobei da auch wieder Frage im Raum steht, ob das nicht vielleicht an der Übersetzung liegen könnte. Denn alleine die deutschen Begriffe für die verschiedenen Fähigkeiten waren wenig einfallsreich (Starkarm ist so ein Beispiel, Magnetor ein weiteres). Ich werde bei Gelegenheit auf jeden Fall einen kurzen Blick in die englische Originalausgabe werfen.

Insgesamt durchaus lesenswert, aber nicht überragend. Ich vergebe 3,5 von 5 Sternchen.

Being German

As you might have guessed, I am from Germany. I don’t define myself by being German since there are a ton of different things that make me “me”. But lately I have been thinking about what being German means for me these days.

German. If you ask people from other countries what they think of Germans you get answers like “Oktoberfest” and “Beer” and “Lederhosen”. Well, to tell the truth: I have never been to an Oktoberfest in my life and frankly, I’m not planning to go, like ever. From all those stereotypes about Germans I can’t see one sticking with me short of being punctual. Am I not German because of that?

In school there were a lot of kids that grew up in bilingual households. To us, it didn’t matter if you did. You got along or you didn’t. When we weren’t that far from graduation, there was an addition to our class. The girl had moved to our city from Russia. She was well included from day one and she didn’t really want anything to do with the other Russians in our class. We made an effort to include her and so did she. Including someone into a community has to be a two way street or it won’t work. You can’t just judge people by where they are from or what language they speak. They are not all the same. Germans aren’t all the same, neither are Chinese people or Muslims or… The list could go on forever. Sure, a great deal of who you are is defined by the culture you grow up in. But each and every single human being has his or her very own personality. A nice person is a nice person, no matter what they believe in or what language they speak. But (Sorry for the language) it’s also true that an asshole is an asshole no matter where he or she is from.

Whenever there’s talk about Germany you will inevitably cross the topic of the Third Reich. Yes, it happened. Yes, it was horrible. I can’t even begin to imagine the horrors the Jewish have had to go through. (And not just them!) I have been to Israel and I have had guests from Israel stay with me. It didn’t take us long to become friends. What really made me angry was that obviously a large number of them was still scared to be in Germany. They were afraid to speak Hebrew in public and to be recognized as members of the Jewish community. When some random idiot who I still want to slap for doing that called “Juden raus” near them, some of them were panicking like their lives were at risk. That was something that just made me so angry… Yes, Hitler happened. A long time ago. Most of the people alive today didn’t take part in the events and didn’t even witness them. We are just caught in the aftermath. I’m not saying it should be forgotten because no one wants to see this happen again. But it shouldn’t be kept alive, either. Today’s youth shouldn’t still have to pay for those horrible crimes.

It makes me so angry that today’s life is still so influenced by what happened decades ago. As a German you can’t show any national pride without being labelled. Sometimes being German in Germany seems to keep you at a disadvantage. In the last couple of years there are more and more scenes in every day life that make me feel like a stranger in the country I was born and raised in. In the area I live in there are many immigrants. So I am pretty much used to hearing other languages on a daily basis. (I don’t see that as a problem in general. Growing up bilingual is great.) But when I spend the afternoon outside it’s possible for me to come home and not having heared a single German word. A Turkish mother I sometimes talk to told me she wasn’t going to send her daughter to a certain school cause there were too many immigrants attending. I know it’s not like this everywhere in Germany. I have been to other regions where the numbers of immigrants are much lower and you see people there handle it differently. But here, I can feel the anger slowly burning its way to the surface. I have heared immigrants say they hate Germany and Germans are all filthy shitbags. Why live here? I mean… Seriously. Why move to a country where you hate everything. Oh wait. Money. I have heared it myself that people said they miss home but at home they won’t get paid money for taking care of a disabled child, for example. I don’t mean to offend anyone with this. I am just repeating what I heared and had to witness. I know not all people who immigrate here are like this. I know there a lot of Germans who rely on those payments and don’t make any effort to get a job.

What I am gonna write about in this paragraph I have heared from people who work in the medical system. I have problems with my back and I would need to get massages regularly to ease the pain. But my doctor won’t prescribe them because they’re too expensive. Just one of the many examples for doctors being on a low budget. And there they are: the Turkish, Polish, Russian… people that get things on prescription that aren’t even really necessary. Also getting a handicapped ID isn’t that easy nowadays. Especially for getting a “G” on it, saying you’re not able to walk (much) and permitting you to use public transportation for free and take someone with you for free as well. On the busses the most people with those IDs are Turkish. And I can assure you: Most of them can walk just fine. Makes you wonder why it seems so much easier for them to get those IDs or prescriptions. Same seems to go for getting social aids. When you have to claim social benefits as a German citizen, you have to find your way through all of those piles of papers on your own. Sometimes you don’t even know which kind of benefits you can claim. When you are not German you get an interpreter, you get help finding filing the claims, you get help finding out which benefits you can get… And when you apply for job in the social service you get an advantage being not from Germany.

Answer one question for me: Working in a factory, is “Work a bit faster, would ya?” a racist comment from your superior? Some immigrants here seem to think so.

Having said all this, I now have one final thing to say. Moving to another country (not just talking Germany here) means to leave your home behind. That doesn’t mean you have to leave every single thing about your culture behind. That is a part of who you are. But moving to another country also means adapting to how things are going there. Becoming a member of the society there. It’s NOT trying to make everyone in that country live the way you used to. You can believe in whatever God you want (or not) but don’t take people who don’t have the same beliefs as you for human beings with less worth. (I had a Turkish neighbor who got pregnant very young and wasn’t married. She was shipped off and it was all denied. When the child was born it was taken care off by the family lovingly and still is but the point in this story is: Other muslim neighbors wouldn’t let their kids play with that child because for them it was impure. But when you state things as they are as a German, you are racist.)

Oh, and to answer the question that started this whole piece: Being German for me means sometimes feeling having the wrong citizenship your own country.

Since writing more about this would just make me mad and sad… I will publish this and wait for the “you’re such a racist” comments to roll in.